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22.03.2009 18:40 Alter: 10 yrs

Wie ein großer Korkenzieher

Wie ein großer Korkenzieher sieht der Bohrer aus, der sich gestern in den Boden auf dem ehemaligen Harde-Roessing-Gelände grub. Durch ein Loch in der Mitte floss dann der Beton für die Betonpfähle in die Erde. FOTO: HECKER

RHEDE. Die Maschine kam in der Nacht. Gestern zog das Gerät dann die Blicke vieler Passanten auf sich, die an der Großbaustelle an der Bahnhofstraße vorbeikamen. Ein wenig erinnert die Maschine an einen riesigen Korkenzieher – und so ähnlich arbeitet sie auch. Was sie gestern auf dem ehemaligen Harde-Roessing-Gelände erledigte, nennt sich „Bohrpfahlgründung mit Schneckenbohrpfählen“. Ein solches Verfahren verwende man, wenn „oben nicht genügend tragfähiger Boden ist“, erklärt Thomas Neinhuis von der Spezialtiefbau-Firma Knubben, der zusammen mit seinen Kollegen gestern 25 dieser Betonpfähle goss.


Das Spezialverfahren sei zwar auch teuer, sagt Bauleiter Günter Kohlruss. Ein herkömmliches Fundament allerdings noch weitaus aufwändiger. Ohne Grundwasserabsenkung und Spundwände würde das nicht funktionieren. Denn dort, wo der Neubau für einen KiK-Markt und Ernsting’s Family entstehe, sei der Boden schlecht. „Wegen der vorherigen Bebauung, durch Auffüllung und durch die Nähe zum Rheder Bach“, erläutert Kohlruss. Das sei Ergebnis eines Bodengutachtens.

Dass an dieser Stelle einmal der Rheder Bach geflossen sein muss, hat sich wenige Meter entfernt gezeigt, wo das einzige Gebäude des neuen Einkaufszentrum mit Keller entsteht. Als die Grube ausgehoben wurde, stießen die Bauarbeiter auf den alten Bachverlauf.

Zwischen 9 und 12,5 Meter tief bohrten Neinhuis und seine Kollegen gestern. Dabei drehte sich der Bohrer, der innen hohl ist, wie ein Korkenzieher in den Boden. Erreicht er die gewünschte Tiefe, fließt durch die Mitte des Bohrers Beton in den Boden. Während der Riesen-Korkenzieher langsam wieder aus der Erde gezogen wird, läuft durch die Öffnung in der Mitte der Beton gleichmäßig in den Boden. Nach fünf Tagen ist der Beton trocken, nach 28 Tagen können die Pfähle voll belastet werden.
Info

Im Bodengutachten sind die Standorte der Betonpfähle festgelegt, ebenso die Last, die jeder tragen muss. Die Pfeiler bilden die Grundlage für den Teil des neuen Einkaufszentrums am Molkereihof, in dem die Filialen von KiK und Ernsting’s Family einziehen werden. KiK stehen dann 500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, Ernstings Family rund 200 Quadratmeter. Ende Oktober soll das komplette Einkaufszentrum fertig sein.

Der Zeitplan:

Seit Anfang des Jahres laufen die Bauarbeiten auf dem ehemaligen Harde-Roessing-Gelände. Ende April öffnete der neue K+K-Markt. Anschließend begann der Abriss des alten Gebäudes. Das Gebäude für Lidl ist inzwischen fast fertig, wird allerdings erst Ende Oktober eröffnen, wenn alle Arbeiten am neuen Einkaufszentrum abgeschlossen sind. Dann wird sich auch an der Bahnhofstraße ein völlig neues Bild zeigen, da die Straße derzeit umgebaut wird.